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Jonas Grob
Architekt

Die Schattenseiten eines Reförmchens: Eine Stellungnahme zur Änderung der Zürcher Schattenwurfregelung

Nach sechsjähriger Arbeit präsentiert die Baudirektion des Kantons Zürich das Resultat zum Reformpaket «Hochhaus». Angeregt durch eine kantonsrätliche Motion aus dem Jahre 2011 hat das Amt für Raumentwicklung die Gesetzgebung bezüglich Hochhäuser unter dem Blickwinkel der Anforderungen der inneren Verdichtung überprüft. Mehr als ein halbes Jahrzehnt Prüfung der drei betroffenen Artikel im Planungs- und Baugesetz (PBG) und der Allgemeinen Bauverordnung (ABV) haben ergeben, dass einzig Handlungsbedarf bei der Regelung der Schattenwurfs besteht. Nun wird vorgeschlagen, den maximalen Schattenwurf von zwei auf drei Stunden zu erhöhen. Die Behörde verspricht sich mit der Änderung der Bau von Hochhäusern zu erleichtern und dadurch den zukünftigen Anforderungen der Siedlungsentwicklung gerecht zu werden. Die Widersprüchlichkeit der aktuellen Gesetzgebung bleibt jedoch unangetastet und die Chance, die Gesetzgebung eines wichtigen Bausteins der Verdichtung an die Herausforderungen der Zeit anzupassen, bleibt verpasst.

Die Höhe, ab wann ein Gebäude als Hochhaus gilt, bleibt unverändert bei 25 Meter. Ein Wert der ursprünglich aus der Länge der Drehleiter der Feuerwehr abgleitet worden ist. Die Gerätschaften der Feuerwehr haben sich jedoch weiterentwickelt und können heute grössere Höhen erreichen. Die revidierten Brandschutzrichtlinien setzt daher die Schwelle erst bei 30 Meter an. Doch das PBG definiert das Hochhaus weiterhin anhand eines Feuerwehroldtimers. Die besondere Gesetzgebung zum Bautypus Hochhaus begründet sich durch dessen herausragende Stellung im Ortsbild. Dass sich dessen Definition aus der technischen Eigenschaften von Fahrzeugen ableiten, ist unverständlich und lässt die städtebauliche Relevanz des Bautypus ausser Acht. Eine zweckdienliche Regelung sollte besser aus städtebaulicher Sicht entwickelt werden.

Die Festlegung der Höhengrenze bedarf folglich grundsätzlicher Diskussion. Ist die besondere Bestimmung überhaupt notwendig? Könnte dies nicht den kommunalen Bauordnungen überlassen werden? Denkbar wäre auch eine dynamische Regelung, welche sich am Verhältnis zum baulichen Kontext orientiert. Beispielsweise könnten Gebäude, die um ein bestimmtes Mass höher sind als die Regelbauweise, als Hochhäuser gelten.

Die Regelung zur Ausnützung von Hochhäusern bleibt ebenfalls unangetastet. Weiterhin gilt PBG § 283 Abs 3. So darf die Ausnützung nicht grösser als bei einer gewöhnlichen Überbauung sein. Eine Ausnahme kann nur über Sonderbauvorschriften erwirkt werden. Diese Ausnahmeregelung wird heute bei den meisten Hochhausbauvorhaben angewandt. Mit dem Verweis auf die heute übliche Praxis der Ausnahme begründet nun die Baudirektion, dass eine Anpassung des Paragrafen nicht nötig sei und lässt die Widersprüchlichkeit zwischen der eigenen Zielvorgabe von Verdichtung durch mehr Hochhaus und dem Gesetzestext stehen.

Ein weitergehender Reformwille ist in der Broschüre zur Vernehmlassung nicht auszumachen. Doch der aktuelle städtebauliche Zustand vieler Orte des Kantons und die in Zukunft zu erwartenden Umwälzungen würden dringend eine zweckmässigere Gesetzgebung benötigen.

Zurzeit bestehen Planungsinstrumente, die grossräumige Gebieten definieren, wo Hochhäuser zulässig sind. Bauträger können unter Wahrung der besonderen Anforderung gemäss PBG § 284 (ortsbaulicher Gewinn, Zweckbestimmung und besondere architektonische Gestaltung) Hochhäuser innerhalb dieser Gebiete realisieren. Diese Regelung hat die Absicht, schlechte Hochhäuser am falschen Ort zu verhindert. Sie kann aber nicht gute Hochhäuser am richtigen Ort fördern. Dafür sind die Gebiete zu grossräumig .

Hochhäuser können dann einen wichtigen Beitrag zur inneren Verdichtung leisten, wenn sie präzise am richtigen Ort stehen. Entwicklungen wie um den Bahnhof Oerlikon und Altstetten sind dafür vorbildlich: Die um den Bahnhof stehenden Hochhäuser setzen einen städtebaulichen Akzent an einem in der Siedlungsstruktur sinnvollen Ort und leisten dort Verdichtung, wo die Erschliessung mit ÖV vorzüglich ist.

Eine zweckmässigere Gesetzgebung sollte daher Instrumente entwickeln, wie eine qualitätsvolle Setzung von Hochhäusern an den richtigen Orten stärker gefördert werden kann. Dazu könnten in Richt- oder Zonenplänen attraktive Setzungen bezeichnet werden und deren Umsetzung mit geeigneten Mittel gefördert werden. Dies könnte beispielsweise über eine Zone für Hochhäuser erfolgen oder über eine Ausweitung des Instrumentes der Ergänzungspläne.

Die Verlängerung des Schattenwurfes wird das Bauen von Hochhäusern erleichtern und somit den Prozess der baulichen Verdichtung fördern. Das gesteckte Ziel von mehr Hochhäusern wird erreicht – und das ist gut so! Doch weitergehenden Ambitionen wie eine konsistente Gesetzgebung oder eine Verbesserung der Qualität der Siedlungslandschaft werden nicht angestrebt. Die Früchte der jahrelangen Arbeit sind dürftig. Das Amt verpasst es, eine fast 50 Jahre alte Gesetzgebung grundsätzlich zu überdenken und den zukünftigen Herausforderungen anzupassen.





Die Vernehmlassung dauert noch bis am 22. März 2019. Zur Medienmitteilung.